Über die Zügelhilfen, die Zügelführung und deren Auswirkungen

Für viele Reiter stellen die Zügelhilfen ein großes Mysterium dar, da ihnen der Einfluss auf den gesamten Pferdekörper oft gar nicht bewusst ist.

 

Vereinfacht gesagt, steuert die Zügelhilfe die Lenkung des Pferdes und wirkt ja nach angewendeter Zügelführung sowohl auf die Vorhand, als auch auf die Hinterhand des Pferdes ein. Die Schenkelhilfen wirken primär auf die Hinterhand, also den „Motor“ des Pferdes ein.

 

Je nach breite der Zügelführung gewährt man der Schulter des Pferdes mehr oder weniger Rahmen und Stabilität. Die Breite der Zügelführung bestimmt also der Ausbildungsstand des Pferdes. Dem zufolge werden junge oder unausgebildete Pferde, die noch mehr Stabilität in der Schulter benötigen, mit breiterer Zügelführung geritten. Im Zuge der Ausbildung nähern sich die Zügelhände dahingehend an, bis nach klassischem Wege auf einhändige Zügelführung umgestellt werden kann. 

 

Um das Pferd nun zu lenken oder abzuwenden, muss immer die Gewichtshilfe vorangehen.  Pferde wollen sich von Natur aus ausbalancieren. Vom Reiter unverdorbene Pferde reagieren von Grund auf sehr sensibel auf alle Schwerpunktverschiebungen. Diese natürliche Fähigkeit gilt es absolut zu wahren, und nicht künstlich „abzutrainieren“, da sich die Zügelhilfen dadurch minimieren!

 

Die impulsweise Hilfengebung hält das Pferd aufmerksam und belohnt es durch sofortiges Nachgeben mit dem sogenannten „entlassen in Freiheit auf Ehrenwort“. Die Hilfen, egal ob Gewichts-, Zügel-, oder Schenkelhilfen setzen erst dann wieder kurzfristig ein, wenn das Pferd diese auch tatsächlich braucht. Etwa wenn es seine Balance verliert oder die Haltung verschleißträchtig wird.

 

Zwei Punkte, die sich besonders fatal auf die physischen Strukturen auswirken und leider ein vielfaches Problem in der Reiterei darstellen, möchte ich näher betrachten. Die rückwärtsführende Zügelhand und die zu tief eingestellten Zügelhände.

 

Der Schädel eines durchschnittlichen Pferdes hat bis zur Lage der Trense, also der Lade, etwa eine Länge von 40 cm und einen Spielraum vom Genick zur Halswirbelsäule von etwa 4 cm. Das ergibt eine Hebelwirkung von 4:40 bzw. 1:10. Wie in meinem Artikel über die doppelt gebrochene Trense dargestellt, verzehnfacht sich jedes Kilogramm Zügelanzug auf das sensible Genick.

Pferdeschädel

Zieht der Reiter nun an den Zügeln rückwärts, wirkt sich das nicht nur auf das sensible Genick des Pferdes, sondern auch auf die Zunge schmerzhaft aus. 

Da die Zunge im weiteren Sinne muskuläre Verbindungen bis zur Vorhand des Pferdes hat, weist das mit rückwärts wirkender Zügelhand gerittene Pferd auch immer Trittverkürzungen auf da Vorhand am Vorschwingen behindert wird.

 

Viele Reiter, deren Pferde „über dem Zügel“, also mit hoch erhobenem Kopf laufen, versuchen diese mit an den Oberschenkeln festgemachten Zügelhänden, der Kopf-Hals-Achse entsprechend zu tiefen Zügelführung ins Vorwärts-abwärts  zu reiten.  Dieser Versuch wird zu keinem reellen Ergebnis führen, da bei gestrecktem Genick ein Nachgeben anatomisch gesehen nicht möglich ist, da das Genick in der gestreckten Position sozusagen einrastet.  Das Pferd erfährt stattdessen erheblichen Druck auf den Unterkiefer, der nicht nur qualvoll sondern auch ineffizient ist.

 

Bei zu hoher Kopfhaltung gilt es immer an der Hinterhand des Pferdes zu arbeiten, statt auf die Kopfposition Einfluss zu nehmen. Schwingt die Energie der Hinterhand korrekt und ungebrochen über den Rücken des Pferdes nach vorne durch, wird das Pferd auch im Genick nachgeben können!

 

Eine pferdegerechte Hilfengebung bereitet dem Pferd niemals Schmerzen, und gerade bei den Zügelhilfen gilt es primär auf die Maulwinkel einzuwirken, und die Zügelhände bei Bedarf auch mal kurzfristig hoch zu nehmen. Dieses Bild der  hohen Zügelhand, auch wenn sie stets nur kurzfristig angewendet werden soll, ist für viele Reiter ungewohnt und stellt oft aufgrund der „Optik“ eine Hemmschwelle dar, ohne sich über den eigentlichen Nutzen überhaupt bewusst zu sein. Jeglicher Balanceverlust des Pferdes kann mit kurzfristiger halber Aufwärtsparade sehr gut korrigiert werden.

 

Welche Effekte kann man nun mit seiner Zügelführung erzielen?

  • biegenden Eigenschaft, welche primär durch den öffnenden Zügel, der vorrangig in der Jungpferdeausbildung eine Rolle spielt.
  • Gewichtsverlagerung auf die äußere Schulter, aber auch auf die diagonale Hinterhand durch oppositionale, also gegensätzliche Einwirkung je nach Position des Zügels.
  • Wiederherstellung des Gleichgewichtes bei Balanceverlust

 

Beispiel einer Anwendung:

Innerer Zügel verhindert, dass das Pferd die Kruppe nach innen wirft.

 

 

 

 

Hier verhindert der innere Zügel in Ausrichtung zur inneren Hüfte dass das Pferd die Kruppe nach innen wirft.

Wichtig dabei, den Zügel nur richtungsweisend "auszustellen" ohne rückwärts zu ziehen.

Innerer Zügel gegenhaltend zur äußeren Schulter eingesetzt.

 

 

 

 

Hier wird der innere Zügel in Ausrichtung zur äußeren Schulter gegenhaltend eingesetzt, verlagert das Gewicht dahin und gibt die Kruppe frei sich nach innen zu bewegen.

Copyright Text & Bild: Daniela Schinko, hippovital.at

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