Fit durch den Winter - Gedanken zur Ernährung

Der Magen-Darmtrakt des Pferdes ist auf kontinuierliche Nahrungsaufnahme ausgelegt.

Das Pferd ist sozusagen ein „Dauerfresser“, und würde von Natur aus kaum längere Fresspausen als 4 Stunden einlegen. Da der Magen eines mittelgroßen Pferdes mit ca. 15-20l ein verhältnismäßig geringes Fassungsvermögen hat, muss dem Pferd die Möglichkeit gegeben werden, kleine Mengen über den Tag verteilt zu sich zu nehmen um den Magen nicht zu übersäuern und das Kaubedürfnis in psychischer Hinsicht zu befriedigen. 

 

In vielen Einstellbetrieben sind diese Fresspausen aufgrund des Stallmanagements erheblich länger, was mitunter erhebliche Folgen für die Gesundheit, aber auch für die Psyche der Pferde hat. 

 

Ein Beispiel, wie ich es leider oft erlebe:

 

In vielen Ställen wird Heu in 2 Rationen pro Tag angeboten, gegen 18 Uhr wird die Abendfütterung gemacht. Bezüglich der angebotenen Menge, kann ich nur dazu raten, die angebotenen Rationen immer wieder durch Abwiegen zu überprüfen, da vielfach das Volumen vom Heu täuscht und die Ration häufig nicht dem entspricht, was das Pferd eigentlich zu sich nehmen sollte, nämlich je nach Pferdetyp und Arbeitspensum ca. 1 bis 3 Prozent seiner Körpermasse pro Tag. Gerade Großpferde sind hier am häufigsten betroffen!

 

Ein Pferd im Erhaltungsbedarf (= ohne Arbeit) soll je nach Haltungsform zumindest 1,5kg Heu pro 100kg Körpergewicht zu sich nehmen können.

 

Die vielfach zu gering bemessene Heuration ist in meinem Beispiel um 21 Uhr aufgefressen. Man kann sich vorstellen, was das für den Dauerfresser Pferd bedeutet, wenn erst morgens um 7 Uhr wieder die nächste Mahlzeit kommt... Häufig wird dann, sofern das Pferd auf Stroh steht dieses aufgefressen, was wiederum zu Problemen im Verdauungstrakt und Stoffwechsel (Stroh bildet AMMONIAK im Verdauungsvorgang) führen kann. Stroh ist mitunter schwer verdaulich, da es vom Pferd nur zu rund 35% verwertet werden kann. Im schlimmsten Fall kann dies zu sogenannten Anschoppungskoliken führen. Pferde die auf Spänen stehen stillen ihr Kaubedürfnis häufig durch benagen von Holz, Boxenwänden oder auch Kotfressen.

 

Die Fütterung aus Heunetzen kann hier eine sinnvolle Lösung sein! Heunetze gibt es in unterschiedlichsten Größen und mit verschieden Maschenweiten.

Die Vorteile liegen darin, dass die Menge bedarfsgerecht gewählt werden kann, und das Pferd ohne unphysiologisch lange Fresspausen über die Nacht kommt. Außerdem bedeuted es weniger Verlust für den Stallbetreiber, da das Heu nicht mehr in der Box verstreut, und eventuell darauf gemistet wird.

Zu beachten gilt immer die Netze so anzubringen, dass sich kein Pferd mit den Hufen darin verfangen kann, die Pferde aber trotzdem möglichst tief ihre Kauposition haben!

 

Bei Pferden in Offenstallhaltung muss hinsichtlich der angebotenen Ration auch bedacht werden, dass die Pferde über die Nahrung Energie speichern und den Wärmehaushalt regulieren! Offenstallpferde haben, da sie allen Witterungsverhältnissen ausgesetzt sind schon einen gänzlich anderen Erhaltungsbedarf als beispielsweise Boxenpferde.

 

Wird bei Offenstallpferden die Ration nicht der Jahreszeit entsprechend angepasst, neigen diese Pferde oft zu drastischen Gewichtsverlusten. Zu dem kommt, dass sie häufig auch frieren - Nahrung ist Energie, Energie wird auch umgewandelt in Wärme und Körpertemperatur. Ich rate immer, an den Innenschenkeln der Hinterhand zu überprüfen wie die Körpertemperatur ist, und das Pferd gegebenenfalls mit einem leichten Wetterschutz einzudecken. Sich hier "aus Prinzip" gegen eine Decke auszusprechen wäre falsch und der Gesundheit des Pferdes nicht dienlich. Jeder kann selbst nachempfinden wie sich auch die Muskulatur verspannt, wenn man friert - das Pferd empfindet das in solchen Fällen genauso!

 

Heu ad libitum - also zur freien Entnahme unbegrenzt zur Verfügung zu stellen, stellt sicher die Fütterungsvariante dar, die der Natur des Pferdes am Nächsten kommt. Während der Umstellungsphase von der rationierten Fütterung zu Heu ad libitum kann es vorkommen, dass manche Pferde nahezu pausenlos zu fressen scheinen.

 

Der Stallbetreiber fürchtet nun seinen Verbrauch, der Pferdebesitzer eine unerwünschte Gewichtszunahme. Erfahrungsgemäß dauert diese Phase nicht lange und die Pferde haben sich daran gewöhnt, dass immer Futter da ist und das durch vorhergegangenes Hungergefühl ausgelöste „Dauerfressen“ pendelt sich dahingehend ein, dass der Organismus den Bedarf steuert. Im Zweifelsfalle kann auch hier ein Heunetz über der Raufe  befestigt werden.

 

Egal ob rationierte Fütterung oder Heu ad libitum, beste Qualität muss in jedem Fall angeboten werden! Schimmel kann die empfindlichen Atemwege des Pferdes irreparabel schädigen! Schimmel und Keime sind oft mit bloßem Auge nicht sofort zu erkennen, es empfiehlt sich daher die „Geruchsprobe“ und das Heu bei muffigem Geruch den Tieren nicht mehr anzubieten!

 

Dein Pferd kommt fit durch den Winter wenn du bereits VOR dem Fellwechsel den Stoffwechsel optimierst, etwas durch kurweise Gaben von Pferdehanf oder Bierhefe, und dem Pferd ausreichend Energie und Nährstoffe zur Verfügung stellst, und es während der kalten Jahrestzeit bedarfsgerecht gefüttert wird. Neben gutem Heu sind hochwertige Öle gute Energielieferanten. Wenn Heu alleine nicht ausreicht, gibt Hafer kurzfristigere Energie als Gerste und natürlich angepasste Mineralstoffe nicht zu vergessen.


copyright Text & Bild: Daniela Schinko, hippovital.at


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