Über die Anatomie der Hinterhand, die Tragkraft und Versammlung

Anatomie des Pferdes

Betrachtet man das Skelett des Pferdes, so wird man feststellen, dass das Pferd schon aufgrund seiner Konstruktion der Wirbelsäule als Reittier nicht geschaffen ist.

 

Die Vorhand des Pferdes ist über die Schulterblätter rein muskulät mit dem Rumpf verbunden, da Pferde kein Schlüsselbein haben. Das macht die Vorhand zwar enorm stoßdämpfend und mobil, aber auch sehr verletzungsanfällig. Zu dem bringt der massive Schädelknochen vermehrt Gewicht auf die Vorhand.

 

Die ersten 8 Rippen sind mit dem verhältnismäßig kurzen Brustbein verbunden, die restlichen 10 Rippen sind die sogenannten Atmungsrippen. Die gesamte Wirbelsäule des Pferdes gleicht einer "Hängebrückenkonstruktion" und gilt als besonders sensibler Bereich für den Reiter.

 

Die Hinterhand des Pferdes ist über das Kreuzdarmbeingelenk (ISG) mit der Wirbelsäule verbunden, wodurch Kraftentwicklung möglich ist.

 

Der "Motor" des Pferdes sitzt also aufgrund der knöchernen Verbindung zur Wirbelsäule eindeutig an der Hinterhand des Pferdes. Die "Lenkung" bzw. Steuerung übernimmt die, in sich flexiblere, Vorhand.

Die Aufgabe des pferdegerechten Reitens besteht darin, im Trainingsverlauf des Pferdes ein Entlasten der sensiblen Vorhand durch Förderung der Lastaufnahme, und damit der Tragfähigkeit der Hinterhand zu forcieren.

 

 

Anatomische Faktoren zur Versammlung des Pferdes

Drei Knochenvorsprünge: Hüfthöcker, Sitzbeinhöcker und Knie

 

 

 

Zumindest drei Knochenvorsprünge, der Hüfthöcker, der Sitzbeinhöcker, sowie das Knie, sind bei den meisten Pferden gut tastbar.

 

Die Lage der Knochen gibt Aufschluss wie steil oder flach das Becken angeordnet ist.

Hankenbeugung Pferd

 

 

Um die Hinterhand nun zum Tragen zu bringen, muss das Pferd das Becken steiler nehmen, das heißt, nach vorne kippen.

In Versammlung kommt die Hankenbeugung hinzu. Als Hanken bezeichnet man das Hüft- Knie- und Sprunggelenk. Knie und Sprunggelenk sind mittels eines Bandsystems dermaßen verbunden, dass beide Gelenke immer nur gleichzeitig arbeiten können.

 

In Versammlung beugen sich also Hüfte, Knie und Sprunggelenk ähnlich einer Spannfeder und das Pferd zeigt den entsprechenden Beugegang.
Die Wirbelsäule des Pferdes beugt sich lumbosacral durch abkippen des Beckens und thoracal, was ein Anheben des Widerristes, und somit eine natürliche Aufrichtung zur Folge hat.

Die Hankenbeugung

Welche Leistung das Pferd hinsichtlich seiner muskulären Strukturen in Versammlung leisten muss, kann jeder selbst probieren indem er seine Knie leicht beugt und in dieser Haltung läuft. Ich bin sicher, es wird nicht lange dauern, bis die vordere Oberschenkelmuskulatur schmerzhaft zu brennen beginnt. Das untrainierte Pferd fühlt genauso!

 

Die Hankenbeugung des Pferdes stellt primär isometrische Muskelarbeit dar, bei der es zu einer starken Spannungserhöhung, aber keiner Muskelverkürzung aus der Bewegung resultiert, kommt. Die isometrische Muskelarbeit kann für das Pferd sehr anstrengend und schmerzhaft sein, wenn die Muskulatur hierfür nicht ausreichend trainiert ist, denn sie erfordert enorme Haltekraft der statischen Muskeln (=Haltemuskeln).

 

Wird im Training das Hauptaugenmerk auf die Förderung der Tragkraft der Hinterhand gelegt, kommt durch die Hankenbeugung automatisch eine Entlastung der Schulterpartie und ein Aufrichten aus dem Widerrist. Wird diese Aufrichtung jedoch künstlich, durch Einwirkung der Zügelhände erzeugt, wird das Pferd nie zu einem reellen Ergebnis kommen. Das Pferd ist dann sozusagen von "vorne nach hinten" geritten, anstatt korrekter Weise "von hinten nach vorne".

 

Förderung der Tragkraft der Hinterhand

Die Tragkraft der Hinterhand fördert man je nach Ausbildungsstand des Pferdes, etwa durch alleinige Schwerpunktverschiebung und Gewichtsverlagerung nach hinten im Stand, durch Tempowechsel innerhalb einer Gangart oder Übergängen von einer Gangart in die nächste.

 

Besonders wertvoll erweisen sich im fortgeschrittenen Stadium Übergänge aus Schritt - Galopp - Halt - rückwärts treten - Galopp, Wechsel zwischen Schulterherein und Travers, sowie das Reiten auf gebogenen Linien.

Wichtig dabei ist, das Pferd niemals auf einem tragenden Hinterbein (dem inneren) zu ermüden um das Gleichgewicht zwischen Kontraktion und Entspannung der Muskulatur zu wahren, denn nur so kann Muskulatur aufgebaut werden. Oft sind nach wenigen Tritten schon Handwechsel angebracht!

Problemen vorbeugen

Muss das Pferd hingegen zu lange in Versammlung laufen als es seinem Trainingszustand entspricht, kann es leicht zur Überlastung und daraus resultierender muskulärer Verspannung kommen.

 

Ein verspannter Muskel ist nicht voll funktionstüchtig und kann aufgrund des gestörten Muskelstoffwechsels auch nicht an Kraft gewinnen. Statt dessen wird er, sofern in diesem angespannten Zustand weiter trainiert wird in Folge sogar atrophieren!

 

Ein Bild, welches sich leider nur allzu oft darstellt, sind scheinbar hoch ausgebildete Pferde mit unzureichender, oft gar "knöcherner" Hinterhandmuskulatur wo sich mir persönlich die Frage nach einer pferdegerechten Ausbildung nach biomechanischen Grundsätzen stellt?

Um dem vorzubeugen, muss das Pferd nach jeder versammelnden Arbeit immer wieder in Dehnungshaltung entlassen werden und bereits bestehende Verspannungen gelöst werden.

 

Betrachtet man die Muskulatur des Pferdes rein optisch, so bekommt man schon einen sehr guten Eindruck über die Trainingsmethode und deren Realität.

Man mögen den Pferden Zeit lassen und sie mit Know how zu unterstützen, um ihren Körper dahingehend ausbilden zu können,

dass sie unseren reiterlichen Anforderungen entsprechen!

 

 

 

Copyright Text & Bild:  Daniela Schinko, Hippovital.at

 


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