Gedanken zur Massenproduktion an Pferdewissen im Internet - Pferdewirtschaft, quo vadis?

 

Es scheint, dass bloggen, und zumindest eine Facebook-Seite zu betreiben heute fast schon zur Selbstverständlichkeit des ambitionierten Pferdebesitzers und Reiters gehört. Und genau dieser "Trend" wirft positive, wie auch kritische Gedanken in mir auf.

 

Ich schicke vorweg, selbst zwei Blickwinkel zu haben. Ich bin einerseits Kleinunternehmer, und verdiene mein Geld rund um meine angebotenen Leistungen innerhalb des gymnastizierenden Pferdetrainings, der klassischen Dressur und der Physiotherapie. Ich blogge aber auch, und stelle meiner Leserschaft kostenlose Artikel zur Verfügung von denen ich denke, sie verschaffen dem Leser einen Mehrwert.

 

Unter einem Mehrwert verstehe ich über Themen zu schreiben, die aus meiner Kernkompetenz, also dem gymnastizierenden Pferdetraining, der klassischen Dressur oder der Physiotherapie kommen. Themen, innerhalb derer man mich um 2h morgens wecken könnte für ein spontanes Referat... Ich schreibe über Themen wozu ich irgendwann mal eine Ausbildung genossen habe, und auf einen fundierten Wissensschatz zurück greifen darf.  Innerhalb meiner Artikel wäge ich jedoch ab, was stelle ich meinem Leser kostenlos zur Verfügung, und was fällt bereits in einen Bereich den ich wirtschaftlich abdecken möchte und auch muss.  Mein Ziel ist stets, den Leser dahingehend am Interesse zu wecken, mehr über ein bestimmtes Thema erfahren zu wollen und den persönlichen Kontakt herzustellen.

 

Ich kenne einige Blogs wo auch ich gerne rein lese und mich über die Artikel freue, weil sie auch mir gewissermaßen einen Mehrwert schenken. 

Wenn jedoch "Lieschen Schlauberger" (Name frei erfunden) in den Ferien beschließt nun auch zu bloggen und sich, nachdem sie merkt ihre Pferdebilder kommen zumeist nur bei den eigenen Freunden gut an und neue Fans oder gar Reichweite wird damit nicht gewonnen, an Themen heran wagt, denen sie nicht gewachsen sein kann, außer "Tante Googel" hilft ihr dabei...dann wird es schwierig für mich, diesen Trend zu verstehen. Man merkt am Schreibstil, am Satzbau und an den verwendeten Formulierungen doch sehr schnell, was Sache ist und wo das vermeintliche Wissen her kommt.

 

"Schuster, warum bleibst du nicht bei deinen Leisten?" 

Das frage ich mich oft, wenn ich diverse Artikel lese. Die "Hausfrau und Mutter" (beliebig abänderbar) mit Tagesfreizeit und eigenem Pferd gibt Tipps zur Ernährung und für das körperliche Wohlbefinden, man findet detaillierte Anleitungen von reiterlichen Lektionen bis zur Hufbearbeitung..... mitunter alles erstellt von Laien.

 

Gerade Gesundheitsthemen im weiteren Sinne sind ja sehr beliebt, und der "gemeine Blogger" hat erkannt, bestückt er seine Artikel mit den Worten "Anatomie und Biomechanik" macht das gleich den Eindruck von etwas Besonderem, und das bringt schlussendlich mächtig Reichweite.
Ein sehr fragwürdiger "Trend" zumal vieles aus diesem Bereich schlicht weg falsch interpretiert wird, Zusammenhänge nicht studiert verstanden werden und der Leser dahingehend irre geführt wird, wie easy und unkompliziert man doch an nahezu allem selbst Hand an legen kann. Anleitungen zu Massagen, ob dabei die Kontraindikationen fehlen spielt "keine Rolle. Und nicht zu vergessen - Kräuter. Kräuter sind ja auch ein beliebtes Thema, wo man Reichweite erzielt und dem Leser suggerieren kann wie einfach man diese doch nicht ins Pferd füllen kann - alles mit den Recherchen des Bloggers.

 

Die Artikel sind manchmal gar nicht schlecht recherchiert, je nachdem welcher Quellen sie entspringen. Für mich stellt das aber immer eine Frage der Ehre dar.

Ich esse sehr gerne und koche auch gerne. Ich würde mir aber nicht anmaßen, darüber zu schreiben was im Ausmaß über diese Leidenschaft hinaus geht und womöglich die Ehre eines Koches mit meinem eventuell stümperhaften Schriftstück zu verletzen.

 

Ein seriöser Journalist wird immer den Experten hinter seinen Texten nennen. Diverse Blogger bedienen sich vielfach lediglich am Gedankengut ihrer Recherchen und verfassen reichweitewirksam ihre massenkompatiblen Texte welche oft aus den obligatorischen "20 Jahren Pferdeerfahrung" entspringen sollen.

Amüsanter Weise, sind diese Personen meist Anfang bis Mitte 20. "Was also, "Schätzelein", möchtest du aus deiner frühen Kindheit deiner Leserschaft an Erfahrung mitgeben, die dich berechtigt über zum Teil hoch komplexe Themen zu schreiben? " frage ich mich milde lächelnd.

 

Da werden Themen quasi am Fließband raus geknallt, und ich bin oft geneigt den Autoren zu fragen, wo bleibt die Demut und nicht zuletzt die eigene Ehre und euer Stolz?

Texte, die einem beim Lesen sehr bekannt vor kommen, wurden sie schließlich irgendwann von einem wahren Experten auf seinem Gebiet verfasst. "Lieschen Schlauberger" und ihre Kolleginnen sind natürlich über Datenklau und Copyright informiert, und so wird der Satzbau ein bisschen verändert, mit ein paar "eigenen" Formulierungen gespickt,- und schon hat man "seinen" neuen Blog parat.

Demut, Ehre, Stolz - wie steht es um diese Werte?

 

"Geiz ist definitiv geil"  in unserer Gesellschaft und so nimmt der Konsument/Leser gerne an, was er kostenlos bekommt. Umso mehr Leser ich anspreche, umso mehr Verantwortung trage ich auch!

 

Ich bin oft in der Tat schockiert, mit welch Leichtfertigkeit, oder scheinbarer Gedankenlosigkeit gebloggt wird.

Selbstverständlich wird der Konsument/Leser gerne eine "Schritt für Schritt"-Anleitung kostenlos annehmen. Was nichts kostet  bringt erstmal ein gutes Gefühl. Man denke dabei an die "Schnäppchenjagd". Dieses gute Gefühl beim Leser schafft natürlich Reichweite. Blogs mit Anleitungen sind sehr beliebt, und werden gerne weiter verbreitet. Doch kritisch hinterfragt,- wie ist die Qualität dieser Anleitungen...? Wo stammt das Wissen dazu her...?

Im besten Falle enthalten diese Blogs noch den Hinweis professionelle Hilfe zu holen, was der Leser diese Artikel selten tun wird, sondern statt dessen darauf wartet, bis "Susi Oberschlau" (Name frei erfunden) 14 Tage später das selbe Thema aufgreift, weil sie gesehen hat es brachte bei ihrer "Kollegin Lieschen Schlauberger" viele likes & Shares, und das Thema etwas abändert. 

 

Die "pferdige-Gesellschaft" bekommt also was sie verlangt - der Sattel des Pferdes wird mittels Bildern in diversen Foren "angepasst", ausgebildet wird das Tier genauso mittels Blogartikel wie es gesund erhalten wird, denn "Dr.Internet" weiß schließlich 0-24h Rat. Völlig kostenlos, und manchmal leider auch umsonst....

Wie viel "Wert" bei manchen Pferdebesitzern das gratis online-Wissen hat erkennt man zum Teil, in wie vielen Gruppen wer registriert ist um möglichst viele Bereiche wissenstechnisch abzudecken. Tummeln sich doch in fast allen Facebook-Gruppen selbsternannte Fachkräfte mit guten Ratschlägen genauso wie Tierärzte, Hufbearbeiter, Therapeuten und Trainer die in ihrer Freizeit bereitwillig und kostenlos "zu Diensten" sind.

 

Ich bin mir meiner überspitzen Darstellung bewusst, doch ist genau das eine Entwicklung in der Pferdewirtschaft die mich sehr nachdenklich macht.

Es geht dabei weniger um den wirtschaftlichen Zweig. Ein etablierter Experte, auf welchem Gebiet auch immer, wird stets sein Klientel haben und die Mehrheit der zumindest mir bekannten Pferdebesitzer schätzt den direkten Kontakt zu seinem "Fachpersonal". Sondern es geht um die Verantwortung.

 

Auch ein Laie kann gewissermaßen Experte auf einem Gebiet sein, wenn er sich entsprechendes Wissen angeeignet hat, und aus seiner Erfahrung heraus andere profitieren können. Doch erfahrungsgemäß wird auch derjenige mit Vorsicht darüber walten, was er Dritten als allgemein gültiges Wissensgut zur Verfügung stellt. Was beim eigenen Pferd gut funktioniert, muss noch lange nicht die Masse abdecken. Und genau diese Masse erreicht das Internet. Ein wahrer Experte wird zumeist auch aus einem tieferen Erfahrungsschatz schöpfen können, und sich der Individualität wie er selbigen erworben hat, bewusst sein.

 

Das Internet beschert uns allen sehr viel Gutes und jeder, der so wie wir Blogger ein Teil davon ist, möge sich seiner Verantwortung bewusst sein. Wir geben unseren Lesern kostenloses Wissen, wofür man früher mitunter teure Kurse besuchen hat müssen oder Bücher gekauft hat. Das ist gut und auch wichtig, denn so erreicht unser Wissen auch Gesellschaftsschichten für die gewisse finanzielle Aufwände gar nicht möglich sind. Doch abzuwägen, was IST tatsächlich Wissen und worauf kann "die Reiterwelt" getrost verzichten sollte meiner Meinung nach jeder, bevor er seinen Blog auf "veröffentlichen" klickt. Dazu kommt die Verantwortlichkeit der Vorbildfunktion, welcher man sich innerhalb seiner Zielgruppe bewusst sein muss. Gerade wenn es sich um Seiten mit überwiegend junger Leserschaft handelt sollte man aus Verantwortlichkeit heraus einmal mehr seine Inhalte und postings prüfen, und sich gegebenenfalls stets die Frage stellen, ob diese auch massenkompatibel nachahmenswert sind. Aus Respekt und Verantwortung.

 

 "Seid authentisch, seid ihr selbst und schreibt mit bestem Wissen und Gewissen für eure Leser, und nicht für eure Reichweite!"

 

#Pfairness dem Leser gegenüber!

 

 

 

 

 

 

Meinen Lesern, und auch denen meiner Blogger-Kollegen möchte ich vor allem tatsächlichen Mehrwert wünschen.

Augen auf, wenn es um Massenproduktion an Pferdewissen im Internet geht!



Text & Bild: Daniela Schinko, Hippovital

Trainingstage österreichweit und im benachbarten Ausland -Termine auf Anfrage.

 

Mail: info@hippovital.at

Tel: +43 (0) 664/ 503-26-33

 


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