Diagnose Arthrose - Teil 1 - auslösende Faktoren und vorbeugen


Gerade in der nass-kalten Jahreszeit arbeitet der Stoffwechsel auf Hochtouren um Wetterumschwünge,  die Zugluft, aber auch die Thermoregulation auszugleichen. Innerhalb des Gelenkstoffwechsels kann es gerade in dieser Zeit zu vermehrt entzündlichen Prozessen kommen, die sich sehr schmerzhaft auswirken.

 

Jedes Gelenk wird von einer Kapsel umhüllt, innerhalb derer die Gelenkschmiere, die Synovialflüssigkeit, produziert wird. Die Gelenkschmiere nährt den Gelenkknorpel.

Veränderungen im Stoffwechsel der Knorpelzellen können schlussendlich zur Arthrose führen, welche eine fortschreitende und unheilbare Gelenkerkrankung darstellt.

 

Ausgelöst wird die Stoffwechselstörung der Knorpelzellen, und damit die Gefahr zur Entstehung der Arthrose mitunter durch:

 

  • Fehlstellungen der Gliedmaßen

Eine Fehlstellung führt immer zu einer Überlastung der gesamten Gliedmaße einschließlich ihrer Bänder, Sehnen, und daran angeschlossenen muskulären Strukturen. Sie betrifft immer die gesamte Extremität und zieht sich vom Huf bis nach oben.

 

  • Überlastung der Gelenke

Eine Überlastung der Gelenke entsteht unter anderem, wenn die zähe Gelenkschmiere nicht auf Betriebstemperatur gebracht ist bevor eine Belastung erfolgt, oder allgemein durch falsches, unökonomisches, aber auch einseitiges Training. 

 

Wachstum Pferd

 

 

 

 

 

Werden Gelenke zu einem verfrühtem Zeitpunkt des Schlusses der Wachstumsfugen  (Epiphysenfugen) unphysiologisch belastet, resultiert eine Überlastung. 

 

  • falsche Ernährung / Übergewicht

Übermäßige  Getreidefütterung  belastet  den Stoffwechsel des Pferdes enorm, zu dem, wenn ein ungünstiges Calzium- Phosphorverhältnis vorliegt.

 Das  Ca/Ph-Verhältnis darf nicht unter 1 : 1, und nicht über 1 : 3 liegen, da bei überwiegendem Phosphorgehalt die Knochensubstanz demineralisieren kann. 

 

Übergewicht in der jeder Lebensphase, besonders aber während des Wachstums, belasten nicht nur die Gelenke, sondern den gesamten Organismus.

  • Traumen, Verletzungen, Unfälle, Gelenksentzündungen

Nur ein gesunder Gelenkknorpel ist durch Zellteilung zur Selbstregeneration fähig, sofern ihm ausreichend knorpelrelevante Nährstoffe (Chondroitin, Glucosamin, kollagene Fasern...) zur Verfügung stehen. Der Knorpel selbst hat keine Blutgefäße und ernährt sich über die Gelenkflüssigkeit und die Knorpelhaut.

Bei jeglichen Verletzungen mit Gelenkschaden gilt es diese Faktoren zu berücksichtigen um Folgeschäden, eine sogenannte posttraumatische Arthrose, zu vermeiden.


  • Alterserscheinung

Jedes Gelenk erfährt im Laufe der Jahre eine mehr oder weniger großen Abnützung. Die Aufzucht, die Haltungsform und Fütterung, sowie das Bewegungsausmaß und Training des Pferdes sind dabei Schlüsselfaktoren.


  • genetische Faktoren

Grundsätzlich wird die Arthrose nicht als Erbkrankheit bezeichnet. Dennoch kann die Veranlagung zu schwachem Bindegewebe, aber auch Fehlstellungen der Gliedmaßen erbliche Hintergründe haben.

 

Eine Heilung der Arthrose ist nicht möglich. Therapeutische Maßnahmen können nur darauf abzielen, die zum Teil erheblichen  Schmerzen zu lindern und den Verlauf der Erkrankung hinaus zu zögern.

 


Arthrose Pferd

 

 

 

 

 

Die Erkrankung verläuft in verschiedenen Stadien mit unterschiedlichen Auswirkungen.

 

Wie lange die einzelnen Stadien dauern, ist individuell unterschiedlich,

jedoch gehen alle unbehandelten, oder unzureichend behandelten Arthrosen des 2. Stadiums früher oder später in das 3. Stadium über!

Vorbeugen lässt sich die Erkrankung weitgehend durch Vermeidung der einleitend genannten Auslösefaktoren, die bereits während der Aufzucht Relevanz haben, und sich ein Pferdeleben lang fortsetzen. Besonders hervor heben möchte ich an dieser Stelle die Hufbearbeitung und Korrektur. Die Stellung der Hufe nimmt Einfluss auf die gesamte Extremität.

Hufbearbeitung Pferd

 

 

Ein nahezu alltägliches Bild... schiefe, unausbalancierte Hufe.

 

Dabei spiegelt das äußere Bild die Lage der inneren Strukturen wieder. 

Dass es hierbei zu Überlastungssituationen im Huf selbst, und in sämtlichen angebundenen Strukturen kommt, sollte selbst dem Laien ohne Fachwissen zumindest bewusst sein.

Diese gravierenden Bearbeitungsfehler passieren leider auch den Profis selbst, und es obliegt meiner Meinung nach der Verantwortung des Besitzers, sich zumindest so viel Hufwissen- und Interesse anzueignen, nach der Bearbeitung einen kritischen Blick auf die Arbeit zu legen - zum Wohle des Pferdes, zum Schutz vor Fehlstellungen der Gelenke und daraus resultierender Überlastung!

 

Lesetipp:  "Die Trachten - biomechanisches Gleichgewicht oder Dysbalance im ganzen Pferdekörper"  

Verletzungen, Unfälle, sowie Traumen jeglicher Art können die Gelenkfunktionalität einschränken. Auch bei muskulären Fehlfunktionen, etwa bei Verspannungen, gilt es zu bedenken, dass jeder Muskel über Sehnen am Knochen anhaftet und die Bandstrukturen die Gelenke stabilisieren, festigen und sichern. Das heißt, es gilt bei den therapeutischen Maßnahmen nichts zu übersehen.

 

Aus meiner Erfahrung befinden sich Pferde oft schon über einen sehr langen Zeitraum, manchmal Jahre,  im Wechsel vom Arthrosestadium 1 zum 2. Stadium  und die Besitzer scheuen sich auf gewisse Weise diesen Pferden Entzündungshemmer zu verabreichen, wenn die Pferde taktunrein oder klamm zu laufen beginnen.

Statt den schulmedizinisch gelehrten Tierarzt zu Rate zu ziehen, werden oft in Eigenregie diverse Hausmittel  verabreicht, die zum Teil in ihrer Wirkung nicht ausreichen, oder gar unzulänglich sind.

Das ist aus falsch verstandener "Schonung" des Tieres vor "richtigen" Medikamenten der sicherste Weg zum Fortschreiten der Erkrankung, denn wenn entzündliche Prozesse in den Gelenkstrukturen unzureichend, falsch, oder gar nicht behandelt werden, nimmt der Fortschritt der Erkrankung seinen Lauf. 


Jede Taktunreinheit oder Lahmheit gehört abgeklärt. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der bildgebenden Diagnostik, denn nur so lässt sich zuverlässig feststellen, was im Inneren der Struktur vor sich geht. Ein Röntgenbild kostest in der Regel nicht mehr, als die auf Verdacht selbst gekaufte Dose Zusatzfuttermittel, welche "heilen" soll, wofür nicht einmal eine Diagnose vorliegt. Viele Tierärzte verfügen über mobile Röntgengeräte, die Pferd und Besitzer den Aufwand eines Kinikbesuches ersparen.

 

Im zweiten Teil von "Diagnose Arthrose - wie fängt es an, wie geht es weiter?" werde ich über therapeutische Maßnahmen für jedes Arthrosestadium schreiben, und meine persönliche Erfahrung wiedergeben. Ich selbst leide an einer erblichen Form der Arthrose, der sogenannten Polyarthrose, und kann bis zum Endstadium über mehr oder weniger wirkungsvolle Therapien und begleitende Maßnahmen berichten, die auch in der Veterinärmedizin, besonders am Pferd, angewandt werden. 

 


Copyright Text & Bild: Daniela Schinko, Hippovital

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