Diagnose Arthrose - Teil 2 - therapeutische Begleitmaßnahmen

 

Im ersten Teil von "Diagnose Arthrose" ging es um auslösende Faktoren, und wie man als Pferdebesitzer der Krankheit weitgehend vorbeugen kann.

 

Die hier im zweiten Teil empfohlenen therapeutischen Maßnahmen beruhen auf meiner persönlichen Erfahrung, und setzen eine vorangegangene Diagnostik durch den behandelnden Tierarzt voraus. Selbige können und dürfen eine Beratung und Behandlung durch den Tierarzt nicht ersetzen!

Viel mehr möchte ich hier Informationen zu Therapiemöglichkeiten bereitstellen, die mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden können, um sie individuell auf den jeweiligen Patienten abzustimmen.

 

Wurde bei dem betroffenen Pferd die Diagnose Arthrose gestellt, kann die Therapie nur mehr darauf abzielen die zum Teil erheblichen Schmerzen zu lindern, und den Verlauf der Krankheit hinaus zu zögern. Eine Heilung ist nicht möglich.


Dabei gilt es primär die entzündlichen Prozesse auszuschalten, da sie zum einen die Schmerzen großteils hervorrufen, und zum anderen den Gelenkknorpel weiter schädigen.

Hier in Eigenregie Hausmittel (auch selbst gekaufte Kräuter!) zu verabreichen, in der Hoffnung dem guten Willen dem Pferd etwas Gutes zu tun, wird in den meisten Fällen unzureichend sein, zumal diese Mittel lediglich als unterstützend - begleitende Maßnahme zur tierärztlichen schmerz- und entzündungshemmenden Therapie angesehen werden kann.

 

Die Behandlung durch den Tierarzt erfolgt unter anderem je nach Stadium der Arthrose entweder medikamentös, durch durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Einreibungen, oder Einspritzen von cortison- und/oder hyaluronhältigen Substanzen.  

Aus meiner persönlichen Erfahrung ist das Einspritzen ab einem gewissen Stadium in der Tat oft der einzige Weg zur vorübergehenden Schmerzfreiheit. Vielfach reicht auch eine subcutane Cortisoninjektion im Bereich des betroffenen Gelenkes völlig aus, und es muss nicht zwingend in das Gelenk injiziert werden.

 

 

Begleitmaßnahmen:

  • Kälte oder  Wärme?

Bei akuten Gelenkreizungen ist eine Therapie mit Eis eine empfehlenswerte Maßnahme, die sehr gut schmerzlindernd wirken kann..

Dabei erweisen sich für Bereiche an denen keine geeisten Bandagen angelegt werden können, sogenannte Eislollys als sehr nützlich.

 

Kältebehandlung Pferd

 

 

Für den Eislolly wird in einen Pappbecher Wasser eingefüllt. Nachdem das Wasser in der Kühltruhe gefroren ist, wird der Pappbecher bis zu dem Teil abgeschnitten, wo er noch den eigenen Fingern Schutz vor der Kälte bietet.

 

Durch die Eistherapie ziehen sich die Gefäße zusammen und es wird je nach Intervall die  Zellaktivität und Durchblutung gefördert.  

Zu lange Eisbehandlung kann das Gewebe irreparabel schädigen, von daher ist vorab der Rat des Tierarztes einzuholen!

Wichtig ist, nach der Eisbehandlung das Behandlungsareal zu trocknen um den durchblutungsfördernden Effekt zu steigern. Bei Schädigungen der Nervenbahnen, im Blut- oder Lymphgefäß, sowie bei offenen Wunden dürfen keine Eisanwendungen gemacht werden!

Wärmebehandlung Pferd Rücken

 

Wärme wirkt primär entspannend auf die, des (Arthrose-geschädigten) Gelenkes angeschlossene Muskulatur, fördert die Durchblutung und wirkt schmerzstillend. 

 

Wärmeanwendungen kann man unter anderem mit Moorpackungen oder heißen Wickeln machen.

Gerade in der kalten Jahreszeit, wo viele Pferde Beschwerden haben, erweisen sich sogenannte "Warm Up"- Pads als sehr sinnvoll, gerade auch, wenn kein Infrarot-Solarium zur Entspannung der Muskulatur im Stall zur Verfügung steht. Diese arbeiten nach dem Prinzip der Taschenwärmer, sind immer wieder aufladbar, unabhängig von Heizquellen einsetzbar  und spenden binnen Sekunden bis zu 50° Wärme.

Persönlich bevorzuge ich eine Variante, die mittels Druckknöpfen beliebig erweiterbar ist, wodurch auch die gesamte Rückenpartie wärmebehandelt werden kann.  

 

Auch bei der Wärmebehandlung gilt zu beachten, dass bei Schädigungen der Nervenbahnen, offenen Wunden und Herzbeschwerden des Pferdes keine Behandlungen dieser Art erfolgen dürfen! Im Zweifelsfalle ist stets der Rat des Tierarztes einzuholen.

  • Physiotherapeutische Maßnahmen / Bewegung

Durch die, aufgrund der mitunter erheblichen Schmerzen eingenommene, Schonhaltung kommt es zu einer Verkürzung der Muskulatur- und deren angeschlossener Strukturen (Bänder, Sehnen).  Daraus resultiert eine Mehrarbeit der übrigen Muskulatur, um diese Fehlfunktionen zu kompensieren. Um den unweigerlichen Kreislauf von Verkürzung der Muskulatur einerseits, und Mehrarbeit der kompensatorisch arbeitenden Muskulatur anderseits zu unterbrechen, helfen physikalische Maßnahmen wie zum Beispiel gezielte Dehnungsübungen. 

 

Innerhalb der Dehnungen unterscheidet man zwischen der aktiven Dehnung, bei sich das Pferd innerhalb seines Rahmens der Möglichkeiten selbst bewegt, und der passiven Dehnung. Die passive Dehnung kann vom Pferd nicht selbst ausgeführt werden, und geht im Ausmaß über die aktive Dehnung hinaus.

 

Gezielte Dehnungsübungen bedeutet, ein individuell auf das jeweilige Pferd zugeschnittener Plan, bei dem gerade die Intensität und Dauer der Dehnung, sowie die Auswahl der Übungen entscheidend ist. 

 

Angemessene Bewegung des Pferdes allgemein, hilft die Gelenkschmiere auf Betriebstemperatur zu halten, wodurch der Stoffwechsel des Gelenkknorpels profitiert. Dadurch minimiert sich das Einsteifen bis zu einem gewissen Grad und Stadium der Arthrose erheblich.

 

Von meinem eigenen Beschwerdebild ausgehend, steife ich aufgrund meiner erblich bedingten Polyarthrose oft während der Nachruhe dermaßen ein, dass morgens gewisse Bewegungen nur erschwert oder gar nicht auszuführen sind, bevor nicht die Gelenkschmiere nach einer gewissen "Anlaufzeit" wieder auf Betriebstemperatur ist . Diese Anlaufzeit ist mitunter sehr schmerzhaft. 

Ein Boxenpferd, dem kontinuierliche Bewegung weitgehend genommen wird, wird die selbe Problematik - gekennzeichnet durch klammen Gang, Wendeschmerz, oder gar Verweigerung gewisser Bewegungen, um ein paar Beispiele aufzuzählen - zeigen. Von daher empfiehlt es sich, dem Arthrose-Pferd eine Haltungsform zukommen zu lassen, die sein Beschwerdebild positiv unterstützt, wie die Unterbringung in einem Offen- oder Bewegungsstall. 

 

Dem Abbau der Muskulatur entgegen wirkend, spielen neben haltungs- und fütterungsbedingter Faktoren auch das Bereitstellen muskelrelevanter Stoffe, wie zum Beispiel Magnesium, Calzium, Vitamin E, Selen, Lysin eine wichtige Rolle, um den Muskelstoffwechsel zu unterstützen.

Allgemein gilt, das Pferd muskulär in einem möglichst guten Zustand zu halten oder gezielt am Muskelaufbau zu arbeiten, da die Muskulatur bis zu einem gewissen Grad ganz gut in der Lage ist, Schäden am Skelett über einen bestimmten Zeitraum auszugleichen.

  • Zusatzfuttermittel

Bei der Ernährung des Arthrosepferdes ist eine weitgehend Getreide freie Ernährung dahingehend anzuraten, da  Getreide vielfach einen erhöhten Phosphorgehalt aufweist der die Arthrose  gewissermaßen "nährt". 

Auf eine der Krankheit entsprechende Calzium- und Magnesuimversorgung ist genauso zu achten,  wie eine Zufütterung der Spurenelemente Zink, Selen, Kupfer und Mangan entzündungshemmende Wirkung haben kann, und den Gelenkstoffwechsel unterstützt.

 

Weihrauch, Brennnessel und Teufelskralle sind aus der Kräuterheilkunde  bekannte Zusätze bei Arthrose , genauso wie ,  MSM, Chondoitinsulfat, oder Glukosamin

 

Persönlich habe ich gerade im Anfangsstadium sehr gute Erfahrungen mit Glukosaminol equin gemacht, und auch die Überlegung einer kurweisen Verabreichung von 

"Wobenzymen" kann durchaus Sinn machen, und sollte mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden. 

 

Ein Zusatzfuttermittel allerdings darf stets nur als begleitende Therapieunterstützung angesehen werden. Sich hier Wunder zu erwarten, ist völlig überzogen und je nach Stadium der Erkrankung auch unmöglich.

  • Arthroskopie

 

Die Arthroskopie ist eine Gelenkspiegelung innerhalb derer auch mittels spezieller Instrumente  minimal invasive Operationen ("Schlüsselloch - Chirurgie" ) durchgeführt werden können.

 

Beim Pferd im Bild links wurde nach einem Unfall das Gelenk arthroskopisch gespült, Schäden an den Bandstrukturen behoben, und um einer posttraumatischen Arthrose, also eine Arthrose die nach einer Verletzung entstehen kann, dahingehend weitgehend vorgebeugt, dass die durch den Unfall entstandenen Schäden am Gelenkknorpel gefräst wurden.

 

In wie weit eine Arthroskopie sinnvoll sein kann, sollte man dem Rat eines erfahrenen Chirurgen überlassen, der sich oft schon anhand der ihm vorliegenden Röntgenbilder dafür oder dagegen aussprechen wird. Die Kontaktaufnahme zur Klinik sei aber primär angeraten.

  • Blutegeltherapie

Seit Jahrtausenden wird der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin erfolgreich eingesetzt.

Der durch den Saugvorgang des Blutegels abgegebene  Speichel  hat ein breites Wirkungsspektrum, der unter anderem entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung aufweist, wodurch der Blutegel ganz klar auch ein Indikator bei Arthrose ist. 


Vor der Blutegeltherapie muss der bisherige Therapieplan dahingehend überdacht und gegebenenfalls unterbrochen werden, da Egel unter bestimmten Umständen nicht beißen. Das gilt besonders für gewisse Salben und Einreibungen, aber auch die Einnahme von Wobenzymen, deren zurückbleibender Geruch auf der Haut des Pferdes die Blutegel nicht mögen.  Abwaschen und Reinigen des Areales reicht hier nicht aus!


Für weitere Informationen rund um den medizinischen Blutegel www.blutegel.de


Blutegeltherapie Pferd Knie
Bei Arthrose empfielt es sich, die Blutegel direkt am betroffenen Gelenk anzusetzen.

Je nach Beschwerdebild des Pferdes gilt es abzuwägen, wie viele Blutegel in welchen Zeitabständen angesetzt werden, um den bestmöglichsten Erfolg zu erzielen.


Bild links: Drei Blutegel im Bereich des Kniegelenks, die eben erst angebissen haben. Der Biss an sich ist  vergleichbar mit einem Insektenstich und nahezu schmerzlos. Jedes meiner bisher blutegeltherapierten Tiere hat im Verlauf der Behandlung noch deutliche Entspannung gezeigt, zu Abwehrreaktionen kam es bisher nie.


Bild rechts: In der Regel fallen die Blutegel nach dem Saugvorgang  von selbst innerhalb einer Stunde ab. Die anschließende Nachblutung dauert etwa 12 Stunden und ist Teil der Therapie. Sie darf nicht unterbrochen werden!

Blutegeltherapie Pferd Knie
Die Nachblutung ist wichtiger Bestandteil der Therapie und darf nicht unterbrochen werden!

  • Goldimplantation

Nach vorangegangener orthopädischer und bildgebender Diagnostik werden bei der Goldimplantation 2-3 mm lange, 24-karätige Golddrahrstücke mittels einer Hohlnadel an Akupunkturpunkten vor, über oder hinter dem betroffenen Gelenk implantiert, und bleiben dauerhaft dort lokalisiert. 


Gold hat im Körper eine entzündungshemmende Wirkung, wodurch sich auch der ph-Wert im Entzündungsgebiet zu neutralisieren scheint. Schmerzstoffe, die im Zuge eines entzündlichen Prozesses stets entstehen, können durch den neutralen ph-Wert nicht mehr entstehen. 


Zu diesem Abschnitt möchte ich meine persönlichen Erfahrungen dahingehend weiter geben, da mein Hund seit 9 Jahren Goldimplantate trägt, und ich selbst seit 5 Jahren. 

Mein Hund wurde aufgrund einer erblichen Hüftgelenksdysplasie  im Jahre 2006 in der Klink Aspern bei Herrn Dr. Markus Kasper, Fachtierarzt für Akupunktur und Neuraltherapie, sowie Spezialist für die Diagnostik und Therapie von Schmerzerkrankungen vorstellig. Zu diesem Zeitpunkt war der Hund in seiner  Beweglichkeit massiv eingeschränkt und aufgrund der Schonhaltung muskulär einerseits überlastet, anderseits atrophiert. 



Die Goldimplantation wurde bei meinem Hund in einer minimal invasiven Operation an den Hüftgelenken beidseitig und in Bereichen der Wirbelsäule durchgeführt.


Bereits am Heimweg von der Klink hat der Hund seine Schonhaltung aufgegeben, und ich werde den Moment nie vergessen, als er zielstrebig am nächsten Baum sein Beinchen hob. Eine Bewegung, die er vor der Goldimplantation nicht in der Lage war auszuführen.


Die erzielte Schmerzfreiheit, und damit die Aufgabe der Schonhaltung war die beste Voraussetzung um mittels nachfolgender, gezielter Physiotherapie am Muskelaufbau zu arbeiten, der den knöchernen Schaden am Gelenk so gut kompensiert hat, dass der Hund nun, bis ins derzeitige Alter von 9,5 Jahren schmerzfrei und uneingeschränkt läuft. 

Da der Hund zeitnah, also bei den ersten Anzeichen der Gangbildsproblematik behandelt wurde,  hat er bis dato keine Arthrose in den mit Goldimplantaten behandelten Arealen gebildet.



Bei mir selbst wurde die Goldimplantation erst zu einem Zeitpunkt durchgeführt, als die Arthrose ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat. Durch die Implantation konnte ich den Verlauf der Krankheit dahingehend hinaus zögern, dass ich zumindest über ein Jahr post OP deutlich schmerzfreier war. 


Es ist also der Zeitpunkt wann die Goldimplantation durchgeführt ein entscheidender Faktor. Ein gewisses Maß an Schmerzfreiheit und dadurch gewonnener Lebensqualität lässt sich aus meiner Sicht stets erzielen. 



Die nebenstehenden Röntgenbilder einer erfolgreich durchgeführten Goldimplantation am Pferd wurden mir nach einem Gespräch mit Herrn Dr. M. Kasper freundlicherweise  für diesen Blog zur Verfügung gestellt. 


Neben Spat und Schale sind laut Dr. Kasper auch chronische Rückenprobleme und Kissing Spines sehr gut mit Goldimplantation behandelbar, welche er nach vorangegangener orthopädischer Untersuchung in Kooperation mit dem behandelnden Tierarzt durchführt.


Die Kontaktaufnahme empfehle ich persönlich unter  www.tierklinik-aspern.at  wo auch besimmt Patientenbesitzer aus dem Ausland empfehlenswerte Adressen zur fachkundigen Durchführung erfragen können.



Es gibt eine Vielzahl an empfehlenswerten Maßnahmen um dem betroffenen Pferd das Leben mit der Diagnose Arthrose zu erleichtern. Dieser Blog darf sich nur als Auszug der Möglichkeiten, die jeweils individuell auf das Beschwerdebild des Pferdes abgestimmt werden müssen, verstehen. 


"Wer rastet, der rostet" ist sicherlich ein Sprichwort, das gerade bei Arthrose seine Bedeutung hat. Von daher gilt kontinuierliche, angepasste Bewegung welche durch schmerzlindernde Maßnahmen erreicht wird als eine der Schlüsselfaktoren für ein möglichst unbeschwertes Leben mit der Erkrankung.



Copyright Text & Bild: Daniela Schinko, Hippovital.at


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