Aufbau der (Grund-) Kondition des Pferdes

 

Der Aufbau einer Grundkondition darf hinsichtlich der Trainingstechnologie nicht mit dem Wiederaufbau des Pferdes nach Ruhe- oder verletzungsbedingten Pausen verwechselt werden.

Eine korrekt aufgebaute Grundkondition geht auch nach Pausen des Pferdes nicht gänzlich verloren, und erfordert somit im Wiederaufbau eine differenzierte Herangehensweise als der Aufbau der Grundkondition an sich. 

 

Kondition Pferd

Checkpunkte vor dem Aufbau der Grundkondition

  • Die Gewährleistung der vollkommenen Gesundheit (Vet -Check) 
  • Die psychische und physische Belastbarkeit hinsichtlich des Alters des Pferdes und seines individuellem Wesens

 

Wachstum Pferd

 

Die physische Belastbarkeit muss

a) vom Wachstumsfugenschluß des Pferdes (Abb.links) ,

und b) von seinen individuellen anatomischen Gegebenheiten abhängig gemacht werden.

Ist das junge Pferd beispielsweise sehr  überbaut, oder weich gefesselt, ist es ratsam, den Zeitfaktor zu überdenken, ebenso beeinträchtigt das Pferd eine ausgeprägte natürliche Schiefe.

 

Die psychische Belastbarkeit ist mitunter dem Alter des Pferdes, seinem Gesundheitszustand und haltungsbedingten Faktoren genauso zuzuordnen, wie sie rassetypisch, aber auch durch die natürliche Schiefe beeinflusst wird.

 

 

Ergänzender Lesestoff:

Warum es Sinn macht, die Geraderichtung an den Anfang der Pferdeausbildung zu stellen

 

  • Der Ernährungszustand des Pferdes

 Befindet sich das Pferd bereits im Erhaltungsbedarf am Limit oder gar darunter, muss erst an einer Stoffwechseloptimierung gearbeitet werden, da das Pferd  ansonsten nicht in der Lage ist, die im Aufbau der Grundkondition erhaltene zweite Stufe, das Krafttraining, erfolgreich zu durchlaufen. Das  Pferd im Training hat einen gänzlich anderen Anspruch hinsichtlich seiner ernährungsphysiologischen Bedürfnisse.  (fachkundigen Rat einholen!)

 

  • Die Gangbildanalyse

Die Gangbildanalyse gibt unter anderem Aufschluss über die natürliche Schiefe des Pferdes, aber auch über etwaige Schonhaltung.

Beide Faktoren gehen mit  einer Überlastung knöcherner und muskulärer Strukturen einher. Weist ein Pferd beispielsweise muskuläre Verspannungen auf, sind diese Muskeln minderdurchblutet, und in ihrer Funktion eingeschränkt. 

Ein funktionsgestörter Muskel kann nicht an Kraft gewinnen, wodurch Verspannungen stets vor Trainingsbeginn gelöst werden müssen.

 

  • Der Verwendungszweck (Disziplin) des Pferdes

Sich über den späteren Verwendungszweck des Pferdes vorab im Klaren zu sein, erspart Irrwege im Trainingsverlauf, aber auch mögliche Enttäuschung von Seiten des Ausbildners, weil das Pferd bestimmte Erwartungen unter Umständen gar nicht erfüllen kann.

 

In der Muskulatur des Pferdes befinden sich unterschiedliche Fasern, die unterschiedlich arbeiten.

 

Rote Muskelfasern, sogenannte "slow twitch Fasern" arbeiten langsam und sind auf Dauerleistung ausgelegt.

Weiße Muskelfasern, sogenannte "fast twicth Fasern" arbeiten schnell, ermüden aber auch schnell.

 

Vereinfacht ausgedrückt, ist das eine Pferd aufgrund seines vorrangig vorherrschenden Muskelfasertyps eher auf "explosive" Leistung ( zum Beispiel das Quarter Horse) ausgelegt, hat aber wenig Ausdauer und ermüdet schnell. Das andere Pferd wiederum ist aufgrund seines vorrangig vorherrschenden Fasertyps eher auf Dauerleistung  ausgelegt, wie zum Beispiel Araber Pferde.

Innerhalb dieser Muskelfasertypen gibt es weitere Unterteilungen die in der Trainingstechnologie eine wichtige Rolle spielen, da die jeweiligen vorherrschenden Fasern im Training unterschiedliche Anspannungszeiten benötigen um Kraftzuwachs zu erfahren.

Durch entsprechendes Training können die Muskelfasern bis zu einem gewissen Grad umgewandelt werden. Ein Quarter Horse beispielsweise kann auf Ausdauer trainiert werden, jedoch wird ein Kaltblutpferd nie ein guter Galopper werden, und so bestimmt die Genetik mitunter auch die Trainingstechnologie. 

 

      

Trainingsphasen

Aufbau der Grundkondition beim Pferd

Der Aufbau der Grundkondition beginnt mit dem Adaptionstraining innerhalb dessen sich der Bewegungsapparat an die künftig gestellten Anforderungen anpassen kann. Die Sehnen kräftigen die Ansatzstellen der Muskulatur, Bänder stabilisieren die Gelenke und der Hufmachanismus soll zur vollen Funktionstüchtigkeit gelangen, was eine korrekte Hufbearbeitung genauso voraussetzt, wie die Arbeit auf unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten. 

 

Die größten Fehler in dieser grundlegenden Phase sind, die Pferde zu überbeanspruchen und zu wenig Zeit einzuberaumen, wodurch gesundheitliche Probleme (Rücken, Gliedmaßen) vorprogrammiert werden.

 

Das Krafttraining als darauf folgende Phase dient dem Muskelaufbau. In dieser Phase werden Trainingsfehler durch die Ausprägung falscher oder unharmonischer Muskulatur, beispielsweise ein Unterhals oder Kuhlen an der Hinterhand im Verhältnis zu einer stärker bemuskelten Vorhand,  sichtbar. 

 

Das anschließende Ausdauertraining erhöht mitunter das Leistungsvermögen von Herz und Lunge. 

Gerade in dieser Phase können schwerwiegende Fehler mit eben solchen gesundheitlichen Schäden passieren, wenn bis zur Erschöpfung des Pferdes trainiert wird. Genannt werden muss hier das Tying up - Syndrom und der Kreuzschlag, gerade auch wenn Kraft- und Ausdauertraining in ungebührendem Maße parallel stattfindet, was nur bedingt möglich ist. 

 

Der Gesamtzeitraum zum Aufbau der Grundkondition soll zumindest 9 Monate betragen, worauf sich allein 4-6 Monate auf das Adaptionstraining beziehen. Der eigentliche Bedarf das Pferdes muss allerdings stets individuell angepasst sein und haltungsbedinge Faktoren, genauso wie psychisch - physische, miteinbezogen werden. Zugunsten des Pferdes empfiehlt es sich,  den Zeitraum eher zu verlängern, als selbigen zu verkürzen.

 

Eine korrekt aufgebaute Grundkondition geht auch nach Pausen nicht gänzlich verloren, wodurch Pferd und Trainer gleichermaßen profitieren und legt den Grundstein für die spätere Leistungsbereitschaft, aber auch Verletzungsanfälligkeit!

 

Dem Trainer des Pferdes sei angeraten, sich ein Mindestmaß an Wissen hinsichtlich der Trainingstechnologie anzueignen, gegebenenfalls fachkundigen Rat einzuholen, und zumindest deren Grundzüge zu verinnerlichen. Jede Art der Arbeit mit dem Pferd nimmt Einfluss auf dessen Bewegungsapparat - sowohl im positiven wie negativen Sinne.

Demzufolge gilt zu wissen, was man warum trainiert, und im Pferdekörper damit bewirkt. Irrwege können nicht nur zeitraubend, sondern auch völlig ineffizient, bis der Gesundheit des Pferdes nicht dienlich sein . 

 

 

Abschließend möchte ich ein paar Trainingsbeispiele für die einzelnen Phasen geben, und darauf hinweisen, dass es sich dabei in der Tat nur um Beispiele handelt. Die Trainingsmöglichkeiten sind weitaus vielfältiger, als sie hier aufgeführt werden können. Der Leser soll einen kleinen Einblick bekommen, welche Übungen welcher Phase zuzuordnen sind.

 

Im Adaptionstraining wird vorrangig leichte Arbeit an der Hand (Hand- und Bodenarbeit, auch joggen mit dem Pferd) oder Longe absolviert. Übungseinheiten im Gelände, etwa im Wald, eignen sich genauso gut wie am Reitplatz aufgebaute Stangenlabyrinthe um die Konzentration und Koordination zu schulen. Dazu kommt die Arbeit auf unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten und Ebenen (etwa Longierzirkel mit Gefälle), was nicht nur die anatomischen Strukturen kräftigt, sondern auch die Trittsicherheit, Koordination und Wahrnehmungsfähigkeit ausbildet. In dieser Phase findet kein Spezialtraining hinsichtlich des späteren Verwendungszweckes statt, jedoch wird bereits an der Geraderichtung und somit dem Ausgleich der natürlichen Schiefe gearbeitet.

 

Im Krafttraining finden mitunter die Seitengänge vermehrt ihren Raum. Der gymnastische Wert der Lektionen spielt für die Muskulatur des Pferdes insgesamt eine wichtige Rolle, und fördert zu dem die Tragkraft des Pferdes. Auch die Galopparbeit, besonders der Moment des Angaloppierens gilt als Krafttaining, wodurch sich je nach Pferdetyp und Leistungsbereitschaft des Pferdes Übungsabfolgen wie aus dem Rückwärtstreten angaloppieren zu lassen, oder die Seitengänge in Kombination mit der Galopparbeit ergeben können. 

Will man das Krafttraining im Gelände absolvieren, eignet sich zum Beispiel das "Aquatraining" beim Durchqueren von Gewässern, klettern, oder bergauf zu traben hervorragend um die Muskelkraft zu erhöhen, und den Muskelzuwachs zu fördern.

 

Sowohl das Krafttraining, als auch das anschließende Ausdauertraining soll unter Berücksichtigung des im Pferd vorrangig vorherrschenden Muskelfasertyps erfolgen.

Das Ausdauertraining beinhaltet neben viel und korrekter Schrittarbeit auch die Arbeit auf Tempo generell. Dabei gilt es ein dem Pferd und seinen anatomischen Gegebenheiten angepasstes Tempo zu wählen. Viele Großpferde werden schlicht weg verhalten, und untertourig gearbeitet. Ein Pferd muss in diesem Stadium ein seiner Größe entsprechendes, schwungvolles Tempo einnehmen können - ohne zu eilen, und ohne sich verhalten zu müssen!

Vielfach sieht man muskulär unausgebildete Pferde ihrem Exterieur entsprechend viel zu langsam laufen, was fälschlicherweise als Versammlung bezeichnet wird, aber damit schlicht weg gar nichts zu tun hat. 

Das Ausdauertraining darf kurzfristig an die Leistungsgrenze des Pferdes herantreten, vom Laien durchgeführt aber niemals darüber hinaus.

Wie in allen Phasen zum Aufbau der Grundkondition gilt es die völlige Erschöpfung des Pferdes tunlichst zu vermeiden, da sie mitunter schwerwiegende gesundheitliche Probleme mit sich bringen kann. Der Grad bis zur völligen Erschöpfung des Pferdes ist mitunter sehr schmal, und der laienhafte Trainer tut gut daran, im Zweifelsfall auf die weitere halbe Stunde Ausritt, wenn schon zwei Stunden voran gegangen sind genauso zu verzichten, wie auf die weitere Runde Galopp in der Reitbahn, um ein Beispiel zu nennen.

 

 

Ist die Grundkondition beim (jungen) Pferd solide aufgebaut worden, ist das Fundament für den weiteren Einsatzbereich geschaffen.

 

 

Copyright Text & Bild: Daniela Schinko, Hippovital.at 

 

 

Ergänzend zum Artikel:

 

Trainingstage österreichweit und im benachbarten Ausland -Termine auf Anfrage.

 

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