Widersetzlichkeit beim Pferd

Sicherheit Pferd

 

François Bauchers Formulierung würden wir zwar heute in andere Worte verpacken, dennoch besteht der Sinn im Selben. Jegliche Widersetzlichkeiten des Pferdes gehen von der Kopf - Hals - Partie aus.
Selbstverständlich gilt es stets weitere Ursachenforschung zu betreiben, was schlussendlich zur Widersetzlichkeit des Pferdes überhaupt führt. Schmerzen, unpassende Ausrüstung, körperliche oder geistige Überforderung sowie unangemessenes Training oder grobe Fehler von Seiten des Ausbildners sind nur einige Beispiele die dazu führen können.
Im Umgang mit dem Menschen können Widersetzlichkeiten sehr schnell zu einer ernst zu nehmenden Gefahr werden! Wichtig dabei ist, möglichst im Ansatz schon korrekt zu reagieren um Gefahren des Kontrollverlustes zu minimieren.

Signale erkennen

Genick verwerfen Pferd

 

 

Die ersten Signale sind meist ein leichtes, bis sehr offensichtliches schräg stellen des Genicks.

Dabei rastet das Atlantookzipitalgelenk(Genick) ein, und ein Nachgeben ist nicht mehr möglich. Das Pferd wird sich maximal im Genick verwerfen.

 

Durch die Streckung im Genick leistet biomechanisch die Unterhalsmuskulatur Mehrarbeit, und daraus resultiert, dass das Pferd in der Brustwirbelsäule absinkt, und in ein Hohlkreuz gerät. 

Halsmuskulatur Pferd

 

 

 

Unmittelbar auf das Festmachen im Genick folgt ein Festmachen im Kiefergelenk. Das geschieht mitunter auch zeitgleich.

 

Ich habe im Bild rechts dem Pferd weitgehend Muskulatur "ausgezogen" um im Besonderen die Verbindungen vom Schädel mit seiner Kaumuskulatur und dem Genick, über den Hals bis zur Vorderextremität zu veranschaulichen.

 

Ein Festmachen in diesen Strukturen wird sich stets auf die gesamte Vorhand des Pferdes auswirken und die Lenkung, beziehungsweise Steuerung des Pferdes beeinträchtigen.

Durchlässigkeit als Sicherheitsaspekt

Alle Gelenke des Pferdes geschmeidig, also nachgiebig und "federnd"  zu machen, bedeutet für den Reiter nicht nur die absolute Durchlässigkeit des Pferdes, sondern auch die volle Kontrolle über das Pferd als Sicherheitsaspekt.

Das betrifft grundsätzlich alle Gelenke des Körpers, ganz besonders aber die der Kopf- und Halsregion, da hier die Steuerung des Pferdes ausgeht.

 

Ein Pferd mit nachgiebig gebeugtem Genick, lockerem Unterkiefer und biegsamem Hals wird dem Reiter stets Leichtigkeit und das Gefühl der Sicherheit vermitteln. Wogegen ein Pferd mit Spannungen in diesen Strukturen einen Kontrollverlust alleine dahingehend vermittelt, da das Pferd nicht mehr punktgenau zu lenken ist und mitunter einen Balanceverlust mit sich bringt.

Geschmeidig machen der Gelenke

Es gilt im Besonderen bei den Halsbiegeübungen, dass diese unter dem Aspekt jeden Wirbelkörper bewusst zu mobilisieren, langsam ausgeführt werden. Ein zu schnelles Herangehen an die Biegung lässt ein  genaues aufspüren von möglichen Blockaden nicht zu und bringt das Pferd mitunter aus der Balance, wodurch das Ergebnis nicht real ist. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Halsbiegeübungen, die alle - je nach Einstellung der Kopf - Hals - Achse - auf mitunter unterschiedliche Regionen im Bereich abzielen. Dem Laien sei angeraten, sich die Übungen Vorort von einer Fachkraft zeigen zu lassen, welche diese Faktoren in den ausgeführten Bewegungen berücksichtigt.

 

Ein Wegtreten mit der Hinterhand während der Biegung bedeutet stets, dass die Anforderung zu hoch war. Ob die Übung unsachgemäß ausgeführt wurde, oder das Pferd aufgrund möglicher Blockasen in der Halswirbelsäule nicht dazu in der Lage ist, sich im Stand entsprechend zu biegen, muss in der Situation betrachtet werden.

 

Widersetzlichkeit lösen

Bei allen Widersetzlichkeiten gilt es erstmals selbst weitgehend Ruhe zu bewahren und zu verinnerlichen, welche Gelenke sich festgestellt haben. Diese gilt es zu lösen um die Kontrolle wieder herzustellen.

 

Eine durchaus alltägliche Situation im Beispiel:

Das Pferd macht den Hals steif, streckt das Genick und geht über dem Zügel. Der Reiter spürt allmählich das Festwerden im Rücken und die sich aufbauende Spannung im Pferd.

Vielfach versucht der Reiter dahingehend zu korrigieren, die Zügelhände tief nehmen, oft mit nach unten gestreckten Armen zu reiten, und so zu versuchen das Pferd zum Nachzugeben und senken des Kopfes zu veranlassen.

Um zu verstehen, dass diese "Korrektur" nicht fruchten kann, muss man sich die Biomechanik des Pferdes vor Augen halten.

 

Die blaue Linie symbolisiert die oben beschriebene Zügelführung.

Der blaue Kreis das festgestellte Genick, sowie die Hüfte des Pferdes.

 

Da das Genick in dieser Position einrastet, ist ein Nachgeben nicht möglich. Statt dessen potenziert sich die durch die Länge des Schädels ausgehende Hebelkraft durch die Zügelführung um ein Vielfaches auf das Genick.

Dadurch, dass in dieser Position das Pferd in der Brustwirbelsäule absinkt, gerät auch die Hüfte in eine flache Position. Die Hinterhand des Pferdes ist dann auf Schub ausgerichtet, den das Pferd mitunter im Fluchtmodus braucht.

 

Eine Korrektur kann biomechanisch gesehen primär nur über die Hinterhand des Pferdes erfolgen, indem es veranlasst wird, die Hüfte in eine steilere Position zu nehmen. Durch die steilere Hüftposition werden die miteinander in Verbindung stehenden Gelenke von Hüfte, Knie, Sprunggelenk und Fessel so angeordnet, dass eine Federung zustande kommt. Was federt ist flexibel und locker!

Erst dann ist das Pferd in der Lage, sein Hohlkreuz aufzugeben, sich im Rumpf zu heben und der Reiter kann Einfluss auf die Nachgiebigkeit von Kopf und Hals nehmen. (siehe zur Verdeutlichung die muskulären Verbindungen im 2. Bild des Artikels)

 

Parasympathikus Stimulation

Die Arbeit mit dem Nervensystem kann sehr hilfreich sein, Widersetzlichkeiten entgegen zu wirken.

Im Besonderen mit dem Parasympathikus, der im vegetativen Nervensystem für Ruhe und Entspannung steht.

 

Im Bereich der unteren Halswirbelsäule nahe des Schulterblattes tritt ein Spinalnerv aus (Lage siehe Bild rechts), der sich manuell sehr gut stimulieren lässt. Dazu führt man mit der eigenen Faust mithilfe des eigenen Körpergewichtes rhythmische "Pump-Bewegungen" in dieser Region aus. Diese Stimulation kann in allen Situationen, wo Aufregung des Pferdes im Spiel ist (verladen, Hufbearbeitung, Angst, Schreckhaftigkeit...) die in Folge zur Widersetzlichkeit führen kann, versucht werden ohne dass ich besondere Einschränkungen anführen müsste.   

Der Erfolg hängt natürlich auch von der eigenen Ruhe des Anwenders ab, und ganz besonders von seiner eigenen Atmung. Selbst tief zu atmen, und sich bildlich vorzustellen durch seine Hand "in den Punkt hinein" zu atmen, kann das Pferd bei der Entspannung positiv unterstützen.

 

 

 

Copyright Text & Bild: Daniela Schinko, Hippovital.at

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