Silvester mit Pferden - gegen Ängste

 

Nicht alle Pferde stecken es gut weg, wenn in der Silvesternacht rundum die Feuerwerke gezündet werden. Angst und Panik verursachen nicht nur enormen psychischen Stress, sondern es passieren Jahr für Jahr viele Unfälle mit durchgegangenen Pferden.

 

Meist sind die Lichteffekte weniger das Problem, als die Geräuschkulisse. Das Zischen und Krachen der Böller und Raketen aus allen Richtungen lässt die Pferde oft panisch reagieren.

Und gerade das, kann man bis zu einem gewissen Grad üben.

Desensibilisierung auf Geräusche

Auf verschiedenen Plattformen, etwa salamisound oder auf YouTube kann man sich kostenlos Feuerwerksgeräusche auf sein Handy oder Smartphone laden, um damit mit seinem ängstlichen Pferd zu üben.

 

Step by step

Es empfiehlt sich zu Beginn das Handy oder Smartphone eingesteckt zu lassen, und das hat zwei Gründe. Zum Einen sind die Geräusche durch die Bekleidung noch etwas abgemildert, und zum Anderen als besonders wichtigen Aspekt, kommt das vermeintlich beängstigende Geräusch (das Böllern und Krachen) direkt von dem Menschen, dem das Pferd vertraut.

 

Das ängstliche Pferd wird, sofern die Beziehung zum Menschen stimmt und vertrauensvoll ist, von dieser Vorgehensweise weit mehr profitieren, als wenn man die Geräusche aus einem Abstand zu sich selbst abspielt.

Das erste Ziel ist, dass das Pferd bei den ersten Böllern nicht sofort in Panik verfällt, sondern bereit ist, das was da von "seinem Menschen" ausgeht, einmal aufzunehmen.

 

Die Trainingseinheiten empfehlen sich in dem Umfeld durchgeführt zu werden, wo das Pferd auch in der Silvesternacht untergebracht ist. Also zum Beispiel in der Box, oder im Offenstall. Für im Offenstall untergebrachte ängstliche Pferde empfiehlt sich die Übung im Auslauf, da die Pferde erfahrungsgemäß sehen wollen was kracht und böllert. Die Tiere werden also zum Jahreswechsel zumeist den Stall verlassen, also übt man schon dahingerichtet.

Eine ruhige und entspannte Atmosphäre vorab ist entscheidend für den Erfolg der Übung.

 

Man spielt dann, ohne unmittelbar neben dem Pferd zu stehen aber dennoch in Reichweite, erste Sekunden der Geräusche ab. Wichtig, dass es sich vorerst wirklich nur um Sekunden handelt! Das Pferd darf sich erschrecken, das Pferd darf auch einige Meter weichen. Durch die kurze Sequenz von wenigen Sekunden bis wieder Ruhe einkehrt, wird das Pferd sich in der Regel neugierig zum Besitzer umdrehen. Und das ist der Punkt, wo sofort und unmittelbar gelobt werden muss.

Ich empfehle für diese Situationen gerne Futterlob. Ist es doch ein hervorragender Motivator, der richtig verknüpft - das heißt, wenn das Pferd verstanden hat für welches Verhalten es Futterlob bekommt! - in Extremsituationen sehr hilfreich sein kann.

 

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Darauffolgend spielt man die Geräusche in der selben Intensität (aus der eingesteckten Position und lediglich für ein paar Sekunden) noch ein paar mal ab. Wichtig dabei ist auch die eigene Gleichgültigkeit dessen gegenüber, also die eigene Ausstrahlung, dass das "völlig normal" sei. Richtig ausgeführt wird das Pferd nach dieser ersten Übungseinheit immer mehr Gelassenheit zeigen und sich dem Besitzer neugierig zuwenden. "Pferdisch" gesprochen "was da für Krach aus der Jackentasche meines Menschen kommt, so schlimm kann das nicht sein..."

In jedem Fall, wird das Pferd für stehenbleiben und Blick zum Besitzer sofort (!) belohnt - Stimmlob, Futterlob, Streicheleinheiten.

 

Erst wenn diese Übungseinheit gut sitzt, das Pferd dem Ganzen aus der gewissen Entfernung heraus keine Angst oder Bestenfalls gar keine Beachtung mehr entgegen bringt, geht man über zum zweiten Übungsteil. Nichts übereilen und besser ein paar Tage länger im ersten Übungsabschnitt zu verweilen kann nur ratsam sein in Anbetracht der "Extremsituation Silvesternacht", die sich in ihrem Ausmaß mit den Übungseinheiten doch multiplizieren.

 

In der zweiten Übungseinheit spielt man die Geräusche - noch immer aus der Jackentasche heraus - ganz "nebenbei" während einer Tätigkeit nah am Pferd ab. Zum Beispiel während man das Pferd sanft massiert, oder entspannend putzt. Wichtig ist wieder, die Geräusche nur wenige Sekunden abzuspielen, genauso wie es ratsam ist, Körperkontakt zum Pferd zu halten. Die linke Hand ist beispielsweise in der Jackentasche am Mediaplayer zum an- und ausschalten, die rechte Hand massiert und putzt das Pferd weiter.

Die Sequenzen dürfen nur so kurz sein, dass bis das Pferd es quasi realisiert, der ganze "Spuk" schon wieder vorbei ist. Eigene Ruhe ausstrahlen, viel Lob für das Pferd.

 

Für diese Übungseinheit muss natürlich auch die Sicherheit des Pferdes und die Eigene im Vordergrund stehen. Zu bedenken muss man geben, dass sich das Pferd erschrecken kann und man Vorkehrungen treffen soll, das Pferd nicht fest anzubinden und man sich selbst nicht in den Gefahrenzonen der Hinterhand oder nah am Schädel befindet.

 

Es folgen nun nach einigen Minuten Pause, in denen das Pferd weiter geputzt oder massiert wird weitere Übungseinheiten auf die oben beschriebene Weise. Das Ziel ist, dass das Pferd die Geräusche ausgehend vom Menschen nah bei sich nicht nur toleriert, sondern völlig gelassen hinnimmt. Wann dieser Schritt erreicht wird, hängt immer von der korrekten Ausführung und natürlich vom individuellen Wesen jedes Pferdes selbst ab.

Das grundsätzliche Vertrauensverhältnis zum Besitzer spielt eine entscheidende Rolle, genauso wie Zeit dabei keine Rolle spielen darf da Ruhe und Gelassenheit während der Übungen unumgänglich sind.

 

Für den nächsten Schritt der Desensibilisierung, den man je nach Pferdetyp und eigenem Engagement nach wenigen Tagen oder Wochen des Übens der vorigen Schritte erreicht, ist das Pferd wieder frei, aber in der Umgebung in der es sich in der Silvesternacht befindet.

Das Handy oder Smartphone mit den Geräuschen wird nun aus der Jacke in die Hand genommen, und die Geräusche (sekundenweise) in Abstand zum Pferd bei ganz willkürlichen Tätigkeiten abgespielt. Man kann dabei  beispielsweise hin und her gehen, sodass die Aufmerksamkeit des Pferdes quasi umgepolt wird, ein paar Pferdeäpfel einsammeln oder Futter herzurichten.

Ziel ist, erstmals die Geräuschkulisse zu erhöhen, jede positive Reaktion des Pferdes - nämlich wenn es dem Ganzen möglichst keine Beachtung schenkt oder zumindest neugierig ist, wird unmittelbar und direkt gelobt und positiv bestärkt. Sofortiges Abschalten der Geräusche, Stimmlob, Futterlob, Streicheleinheiten. Viele Wiederholungen mit angemessenen Pausen dazwischen bestärken das Pferd zusätzlich positive Erfahrungen zu machen.

 

Für die weiteren Schritte kann und muss man seine eigene Phantasie der Umsetzung ein bisschen spielen lassen und direkt auf die eigene Pferdepersönlichkeit eingehen. Ziel der weiteren Schritte ist, die Geräuschkulisse systematisch lauter und intensiver zu gestalten bei völliger Gelassenheit des Pferdes.

So kann man zum Beispiel während das Pferd mit einer besonderen Mahlzeit beschäftigt ist und seine primäre Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist, mit dem Mediaplayer in der Hand zügig aber ohne Stress vorbei gehen, futtert das Pferd ungeachtet dessen weiter, wird abgeschaltet und gelobt. Das Ganze kann sich je nach momentaner Toleranz des Pferdes dahin steigern, dass man mit dem "Krach in der Hand" von einer Seite des Pferdes zur Anderen geht, und steigert sich bis man direkt neben dem Pferd steht bei voller Lautstärke und gewissermaßen Dauerberieselung. Hierbei empfiehlt sich wieder, mit einer Hand Körperkontakt zum Pferd zu halten. Herzliches Lob gilt als selbstverständlich.

 

Bei allen Übungsschritten ist es wichtig, das ängstliche Pferd nicht zu überfordern und stets die jeweilige Übung zu beenden, solange das Pferd ruhig und empfänglich ist. Lieber kurze Einheiten positiv abschließen und öfter das Selbe üben, als einen Tic zu viel und das Pferd wird negativ bestärkt.

Tipps für die Silvesternacht

Jedes ängstliche Pferd wird es zu schätzen wissen, wenn seine Vertrauensperson, die Person die mit ihm zuvor auch erfolgreich geübt hat, in den Minuten zum Jahreswechsel, dann wenn der ärgste Krach ist, auch bei ihm ist.

Aus meiner persönlichen Sicht gehört es auch zur Verantwortlichkeit dazu, kann man durch seine Anwesenheit schließlich das Pferd beruhigen und auch gezielt eingreifen um Paniksituationen zu minimieren oder vermeiden.

 

Anwesenheit bedeutet in dem Fall nicht, das Pferd schon im Vorfeld mit sich zu konfrontieren, sondern dem Jahreswechsel erstmal unaufdringlich gegenüber zu stehen und erstmal zurückgenommen zu beobachten ohne das Pferd in seinem Tun zu stören.

 

Ich selbst habe, resultierend aus schlechten Erfahrungen mit rücksichtslosen Anrainern die ihre Böller direkt in Richtung der Pferd schießen,  in der Silvesternacht zwei sehr verängstige Pferde zu betreuen und trete erst in Aktion, wenn sich eine gewisse Unruhe bei den Pferden abzuzeichnen beginnt. Dann wird, wie zuvor geübt, jegliches stehenbleiben gelobt. In unserem Fall wurde explizit das bei mir bleiben "installiert". Die Pferde leben im Offenstall und ich habe das bei-mir-bleiben auch aus Sicherheitsgründen "installiert",-  zum einen für die Pferde selbst um nicht panisch zu laufen, zum anderen für mich selbst, da ich hier eine Position außerhalb des Auslaufes wählen kann um die Pferde zu mir abzurufen.

 

Ich behalte mir die Kraftfuttergabe, es kann auch etwas außertourlich ganz besonders wohlschmeckendes sein, für Mitternacht auf um die Aufmerksamkeit auf das Feuerwerk und die Kracher etwas umzupolen. Dazu gibt es für jedes bei mir bleiben wie in den Wochen zuvor geübt, Stimmlob, Futterlob und Streicheleinheiten. Ich verwende für das Futterlob in dem Fall etwas ganz Besonderes. Einen Jackpot aus Sicht der Pferde, für den es sich lohnt die Angst und den Fluchtgedanken zu verwerfen.

Dabei lege ich das Hauptaugenmerk auf die "Ansprechbarkeit" der Pferde und dass sie auch wenn sie nervös hin und her laufen, für mich empfänglich bleiben. Verabsäumt man diesen Punkt, kann es leicht zu kopflosen Reaktionen der Pferde gemäß ihrem naturgegebenem Wesen als Fluchttier kommen.

Eigene Ruhe vermittelt dem Pferd ein gewisses Maß an Schutz und Vertrautheit für einen möglichst guten Start ins neue Jahr.

 

Auf ein gutes neues Jahr!

 

 

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