Passt der Sattel? Anatomische und praktische Tipps

 

Unpassende Ausrüstung, und ganz besonders ein unpassender Sattel können schwerwiegende Folgen haben. Neben gesundheitlichen Problemen wie Muskelschwund durch drückende Sättel, spielt auch die psychische Belastung der Pferde eine große Rolle.

Man stelle sich vor, selbst in viel zu engen Schuhen zu stecken, einen schweren Rucksack zu tragen und damit zu laufen. Genau das verlangen viele Pferdebesitzer von ihren Pferden Tag für Tag, - oft in vollem Bewusstsein, dass mit der Passform des Sattel "etwas nicht stimmt"....

 

Es gibt viele Checkpunkte, die einen passenden Sattel ausmachen und ein Fachmann bei der Anpassung stets genauso berücksichtigen wird, wie die Passform für den Reiter selbst. In diesem Artikel möchte ich mich hauptsächlich der Pferdeschulter, und der Schulterfreiheit des Sattels widmen und Tipps zum Selbst-Check geben.

 

Die Sattellage

Trapezmuskel Pferd
M.trapezius

 

 

Der Musculus trapezius besteht aus einer Hals- und einer Brustportion. 

Wichtig für den Laien im Zusammenhang mit der Sattelpassform ist, dass er seinen Ansatz der Brustportion an der Spina scapulae, der sogenannten Schulterblatgräte hat. Der Ansatz der Halsportion liegt über der Schulterblattgräte. 

Zuständig ist der M.trapezius unter Anderem für das Vorführen der Vorhand, er liegt in der oberflächlichen Muskulatur und spielt bei der Ausbildung der sogenannten Sattellage eher eine untergeordnete Rolle.

Musculus latissimus dorsi Pferd Sattellage
M.latissimus dorsi

 

 

 

 

Der Musculus latissimus dorsi entspringt aus der Fascia thoracolumbalis.

In seiner Funktion ist er der wichtigste Rückwärtsführer der Vorhand und beugt das Schultergelenk.

Der M.latissimus dorsi bildet die Sattellage des Pferdes.

Warum die Schulterfreiheit so wichtig ist

Da Pferden das Schlüsselbein fehlt, ist die Schulter rein muskulär mit dem Rumpf verbunden. Das macht die Schulter zwar sehr beweglich, aber auch besonders verletzungsanfällig.  Die Schultermuskulatur muss also störungsfrei arbeiten können damit sich das Pferd in erster Linie ausbalancieren, und auch den Rumpf heben kann. In Bezug auf den Sattel bedeutet das, dass der Sattel weder die Muskulatur in ihrer Funktion einschränken darf, noch die Beweglichkeit des Schultergelenks in allen möglichen Richtungen. 

Der Muskulus latissimus dorsi, der die Sattellage bildet, überläuft die Schulter zum Teil und steht in enger Verbindung mit dem langen Rückenmuskel, dem er auch überlagert ist. 

Schulter Pferd
Nervenaustrittspforten der Schulter

 

Besonders hervorheben muss man in dem Zusammenhang die Nervenaustrittspforten an der Schulter. Hier treten zwei sehr starke Nervenstränge aus, was diesen Bereich einmal mehr in seiner Sensibilität unterstreicht. 

Der N.accessorius versorgt hier den M.trapezius, der N.suprascapularis den M.supraspinatus, der in seiner Funktion das Schultergelenk streckt, stabilisiert und die Extremität vor führt.

 

Als Folgen von komprimierten Nervenaustrittspforten wären Koordinationsstörungen, stolpern, Balanceverlust bis hin zur Lahmheit zu nennen. Vorsicht also bei engen und die Schulter einschränkenden Sätteln!

Ein Sattel mit zu enger Kammer oder unpassendem Kopfeisen versursacht dem Pferd nicht nur Schmerzen, er stört den Körper auch in seiner physiologischen Funktion. Ein zu enger Sattel darf im Sinne einer pferdefreundlichen Ausbildung schlicht weg nicht geduldet werden!

Viele Reiter versuchen zu weite Sättel mit entsprechenden Unterlagen zu korrigieren. Bis zu einem gewissen Grad kann das unter Umständen funktionieren, entscheidend ist hier immer das Ausmaß der Weite. Ein zu weiter Sattel neigt dazu, seinen Schwerpunkt nach vorne zu verlagern und vermehrt Druck auf den Widerrist zu bringen. Versucht man einen etwas zu weiten Sattel mit entsprechenden Unterlagen zu optimieren, gilt es immer auch den Schwerpunkt des Sattels zu berücksichtigen. Dieser Muss mittig liegen.

Tipps zum Selbstcheck

Sattelcheck

Auch bei baumlosen Sätteln, wo der Pferdebesitzer durchaus selbst Änderungen an der Passform vornehmen kann, müssen diese Faktoren zumindest positiv gegeben sein. Auch ein baumloser Sattel muss dem Pferd an der Schulter, dem Schwung des Rückens und der Länge entsprechend angepasst sein und es bedarf entsprechender anatomischer Kenntnisse und technischer Fähigkeiten das zu erfüllen.

Besonders auffällig ist bei manchen Modellen, dass diese wie ein "Thron" über dem Pferd zu liegen kommen und die Meinung, man müsse diese Sättel erst einreiten, hält sich nachhaltig. Viel mehr kommt dieser Faktor aus meist ungeeigneten - zu festen und falsch gekletteten - Sattelkissen und einer suboptimalen Lage des Sattels insgesamt. 

Persönlich bin ich ein großer Fan von baumlosen Sätteln sofern sie Pferd und Reiter passen. Um das zu gewährleisten muss man den Kauf beim Fachmann, der Vorort anpasst, stets dem online Kauf auf Eigenregie vorziehen denn eine mangelhafte Passform wird stets Konsequenzen mit sich bringen.

 

Carola - Pad

Das Carola - Pad ist eine hervorragende Lösung für den Pferdebesitzer eine Satteldruckmessung selbst vorzunehmen. Das Pad ist mit ein wenig Mühe ganz einfach selbst herzustellen, immer wieder verwendbar und sollte meiner Meinung nach in jedem Sattelschrank zur Hand liegen.

Eine Bauanleitung für das Carola - Pad gibt es hier

 

Carolapad Sattel

Das Carola - Pad in zwei unterschiedlichen Ausführungen.

 

Im Drucktest links im Bild wurde auf einem Fellsattel geritten, beim Test rechts im Bild auf einem baumlosen Sattel. Geritten wurde beide Male für etwa 30 Minuten in allen Gangarten und Seitengängen.

Gegen das Licht gehalten weist das Carola - Pad keine nennenswerten Druckspitzen auf. Bei unpassendem Sattel oder falscher reiterlicher Einwirkung würde hier die Teigmasse verdrängt werden.

Carola - Pad Sattel

 

Viele Pferde leiden still, andere widersetzen sich offensichtlich -

Passende Ausrüstung ist ein Beitrag zum Tierschutz, sei fair zum Pferd!

 

 

Copyright Text & Bild: Daniela Schinko, Hippovital.at


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